Anlässlich des Welt-Ei-Tages drehte sich an der HBLA Pitzelstätten alles um ein Lebensmittel, das auf den ersten Blick alltäglich erscheint, bei genauerer Betrachtung jedoch erstaunlich komplex ist. Unter dem Motto „Ei mal anders“ wurde das Ei aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht – von der landwirtschaftlichen Produktion über Biologie und Ernährungswissenschaft bis hin zu Lebensmitteltechnologie und Sensorik.
Besonders wertvoll war der Austausch zwischen Schülerinnen und Schüler und Gästen aus Politik, Landwirtschaft, Wirtschaft und verschiedenen Fachbereichen. Sie wurden zu Eierdetektivinnen und Eierdetektiven.
Forschen, untersuchen und experimentieren
Eierschale, Poren, Schalenmembranen, Eiklar, Dotter und Luftkammer wurden genauer unter die Lupe genommen. Verschiedene Frischetests zeigten außerdem anschaulich, wie sich ein Ei während der Lagerung verändert und warum beispielsweise die Luftkammer mit zunehmender Lagerdauer größer wird.
Auch die ernährungsphysiologische Bedeutung des Eies stand im Mittelpunkt. Neben der hohen Proteinqualität wurden Lipide, Vitamine und Mineralstoffe thematisiert. Gleichzeitig wurden bekannte Aussagen wie „Braune Eier sind gesünder“, „Ein dunkler Dotter bedeutet bessere Qualität“ oder „Nur das Eiklar ist gesund“ kritisch hinterfragt und wissenschaftlich eingeordnet.
Vom Huhn zum Ei
Die Qualität eines Lebensmittels beginnt bereits bei seiner Produktion. Deshalb beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler auch mit unterschiedlichen Hühnerrassen, Fütterung, Haltung und dem Alter der Legehenne.
Welche Eigenschaften eines Eies sind genetisch bestimmt? Was kann durch die Fütterung beeinflusst werden? Und welche Bedeutung hat der Calciumstoffwechsel für die Bildung einer stabilen Eierschale?
Damit wurde eine wichtige Verbindung zwischen Landwirtschaft, Tierernährung und Lebensmittelqualität hergestellt.
Das Ei als technologisches Multitalent
Besonders spannend wurde es bei den lebensmitteltechnologischen Versuchen. Hier zeigte das Ei, was es technologisch leisten kann.
Bei der Herstellung von Emulsionen wurde die Wirkung von Lecithin im Eigelb als natürlicher Emulgator sichtbar. Beim Aufschlagen von Eiklar konnte die Schaumbildung beobachtet werden und beim Erhitzen wurde deutlich, wie Proteine denaturieren und koagulieren.
So wurden komplexe Vorgänge der Lebensmitteltechnologie unmittelbar erlebbar – und es zeigte sich, warum das Ei für zahlreiche Lebensmittel und Speisen ein so vielseitiger Rohstoff ist.
Schmeckt man den Unterschied?
Natürlich durfte auch die Sensorik nicht fehlen. Bei Blindverkostungen konnte selbst getestet werden, wie gut sich verschiedene Produkte tatsächlich unterscheiden lassen.
Unter anderem wurden Eierspeisen aus Hühner-, Wachtel- und Straußenei miteinander verglichen. Auch Eier verschiedener Hühnerrassen wurden sensorisch beurteilt.
Bei einem Triangeltest mit Kuchen lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer außerdem ein klassisches Verfahren der analytischen Sensorik kennen: Drei codierte Proben wurden verkostet, zwei davon waren identisch – die abweichende Probe musste erkannt werden.
Dabei wurde schnell klar: Professionelle Sensorik bedeutet weit mehr als die Frage „Schmeckt mir das?“. Geruch, Geschmack, Textur und Mundgefühl werden systematisch wahrgenommen, beschrieben und ausgewertet.
Lernen mit allen Sinnen
Der Welt-Ei-Tag zeigte eindrucksvoll, wie viele Fachbereiche sich an einem einzigen Lebensmittel miteinander verbinden lassen. Landwirtschaft, Tierernährung, Biologie, Chemie, Ernährung, Lebensmitteltechnologie und Sensorik wurden nicht getrennt voneinander betrachtet, sondern entlang der gesamten Lebensmittelkette miteinander verknüpft.
Besonders wichtig war dabei die aktive Rolle unserer Schülerinnen und Schüler der Maturajahrgänge aus dem Schwerpunkt Ernährungsinformation und -prävention. Sie experimentierten und untersuchten nicht nur selbst, sondern bereiteten ihr Wissen so auf, dass sie komplexe Zusammenhänge verständlich erklären und mit unterschiedlichen Besuchergruppen diskutieren konnten.
Im Anschluss bot ein mit viel Kreativität und kulinarischem Geschick gestaltetes Flying Buffet, bei dem sich ebenfalls alles rund um das Ei drehte, den passenden kulinarischen Ausklang. In gemütlicher Atmosphäre nutzten die Gäste die Gelegenheit, die Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen, angeregte Gespräche zu führen und sich fachlich auszutauschen. Die kreativen Köstlichkeiten rund um das Ei rundeten die gelungene Veranstaltung auf genussvolle Weise ab.
So wurde aus einem alltäglichen Lebensmittel ein vielseitiges Lern- und Forschungsobjekt – vom Huhn über das Ei bis auf den Teller.
B. Hermann