Schon die Anreise war ein Erlebnis: Mit dem Bus ging es über die Großglockner Hochalpenstraße hinauf zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Bei strahlendem Sonnenschein boten sich entlang der Strecke immer wieder schöne Ausblicke auf die hochalpine Landschaft der Hohen Tauern. Für einen kurzen „Stau“ sorgte eine Schafherde, die sich von unserem Zeitplan wenig beeindrucken ließ – uns dafür aber umso mehr zum Staunen und Schmunzeln brachte.
Von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe ging es anschließend zu Fuß auf dem Gamsgrubenweg durch sechs Tunnel, mit immer wieder neuen Blicken auf den Großglockner und die Pasterze. Gerade der Blick auf den Gletscher machte allerdings auch nachdenklich. Die Pasterze ist mit ihrer derzeit rund 3,9 Kilometer langen Gletscherzunge noch immer Österreichs größter Gletscher, doch ihr Rückgang ist unübersehbar. Nur noch ein dünnes Eisband verbindet die Gletscherzunge mit dem oberen Pasterzenboden – eine Landschaft, die eindrucksvoll zeigt, wie stark der Klimawandel den Alpenraum verändert.
Doch gerade dort, wo sich das Eis zurückzieht, lässt sich auch etwas Spannendes beobachten: Natur beginnt neu. Die vom Gletscher freigegebenen Flächen werden nach und nach zu neuen Lebensräumen. Zunächst besiedeln spezialisierte Pionierpflanzen den kargen Boden, später folgen weitere Pflanzen und Tiere. Moose, Flechten und widerstandsfähige alpine Pflanzen gehören zu den ersten Bewohnern dieser jungen Landschaft; auch hoch spezialisierte Tiere wie der Gletscherfloh finden in diesem extremen Lebensraum ihre Nische. So konnten wir unmittelbar erleben, wie dynamisch Natur ist und wie sich Ökosysteme an veränderte Bedingungen anpassen.
Unser Wandertag war damit weit mehr als nur ein Ausflug: viel Bewegung, Naturkunde zum Anfassen und jede Menge Gesprächsstoff. Für unsere Schülerinnen und Schüler und auch für uns Lehrerinnen ging schließlich ein wunderschöner Tag in den Hohen Tauern zu Ende – mit müden Beinen, vielen neuen Eindrücken und mindestens ebenso vielen gemeinsamen Lachern. Manchmal ist eben der beste Klassenraum der, der keine vier Wände hat.
B. Wohlgemuth-Fekonja & S. Bünz-Mellitzer